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Pressestimmen



Früher waren sie die eigentlichen Helden im Kinogeschäft: die Schilder- und Lichtreklamehersteller. In stundenlanger und mühsamer Arbeit malten sie die großen Filmstars wie Marlene Dietrich, Greta Garbo und Humphrey Bogart in überdimensionaler Größe auf Plakate und Transparente und lockten so die Kinobesucher in Scharen vor die Leinwand. Mehrere Tage benötigten die Schildermaler, bis ein Plakat fertig war. Heute mag sich so mancher Werbegrafiker über so viel Fleißarbeit amüsieren. Doch obwohl mittlerweile die schweißtreibende Handarbeit der einstigen Plakatmaler von computergesteuerten Anlagen übernommen wird, gibt es sie noch heute: die Schilder- und Lichtreklamehersteller.

Freilich hat sich ihre Arbeit verändert und auch die Berufsbezeichnung wandelte sich mit der Zeit. So nennen sich viele Schilder- und Lichtreklamehersteller heute Werbetechniker. Ihre Einsatzgebiete sind jedoch vielseitiger denn je: So fertigen die Urenkel der damaligen Plakatmaler heute Folienbeschriftungen an, entwerfen und konstruieren Leuchtreklamen, bemalen Fassaden, greifen zur Airbrush-Pistole, bauen Messestände oder sind als Veranstaltungstechniker tätig. Überall dort, wo Werbung und Beschriftungen benötigt werden, kommen die Spezialisten zum Einsatz.

Ob der gewandelten Anforderungen hat sich auch die Ausbildung weiter entwickelt. Denn die Werbetechniker müssen heute immer ausgefallenere Wünsche der Kunden berücksichtigen und sich immer neuen Herausforderungen auch an ihr eigenes Können stellen. So müssen sich Werbetechniker unter anderem mit Werkstoffbearbeitung, Beschriftungen und Malerei, Siebdruck, Metallverarbeitung, Elektro- und Montagearbeiten auskennen. Kein Wunder, dass die Werbetechnik noch heute das Handwerk der 15 Handwerke genannt wird. In einer dreijährigen Ausbildung werden die angehenden Schilder- und Lichtreklamehersteller für den Berufsalltag fit gemacht. 

Da der Konkurrenzkampf zwischen den Dienstleistern zunehmend größer wird, wird eine gute Ausbildung vermehrt zur Existenzfrage. Das weiß auch Michael Schwarten aus Sankt Augustin-Buisdorf. Der Werbetechniker hat drei Jahre lang als Lehrling in einem großen Betrieb seinen Meistern über die Schulter geblickt. Nachdem er die Meisterschule besucht hatte, machte sich Schwarten im Dezember 2002 dann als Werbetechniker selbstständig und ist heute sein eigener Chef. Folienbeschriftungen, Leuchtreklamen und Thermotransferdruckverfahren (damit können mehrfarbige Folien angefertigt werden) – das sind mittlerweile die Spezialgebiete des 37-Jährigen. 

Auch wenn in seiner Werkstatt, einer ehemaligen Tankstelle in Buisdorf, allerlei technische Hilfsmittel im Einsatz sind, greift Schwarten auch immer wieder zum traditionellen Schneidemesser, um Buchstaben aus Folien auszuschneiden. Damit gehört Schwarten aber schon zu einer aussterbenden Art: „Viele junge Werbetechniker wissen doch gar nicht mehr, wie sie mit einem solchen Schneidemesser umgehen sollen“, sagt Schwarten. Mit modernen Schneideplottern, die es in kleinen Ausfertigungen heute schon für einige hundert Euro geben würde, könnte fast jeder Folienbeschriftungen herstellen. „Das eigentliche Handwerk tritt leider immer mehr in den Hintergrund“, bedauert Schwarten. Auch beim Anfertigen von Schildern und Leuchtreklamen spielten moderne Hilfsmittel eine immer größere Rolle, so Schwarten.

Doch es gebe glücklicherweise noch Ausnahmen: „In der Limburger Altstadt beispielsweise dürfen nur Reklameschilder aufgehängt werden, die der Bauart der historischen Gebäude entsprechen“, so Schwarten. „Da sind wir Meister noch gefragt, wenn es darum geht, kunstvoll verzierte und verschnörkelte Schilder aus Metall anzufertigen und aufwendig zu verzieren.“ Leider würden solche Aufträge aber immer weniger. „Unser Beruf verliert allmählich einen gewissen Anspruch“, sagt der Meister.

Dieser Trend könnte sich schon bald noch weiter ausdehnen. Denn künftig soll es bei 65 der insgesamt 94 Handwerken mit Meistervorbehalt möglich sein, einen Handwerksbetrieb auch ohne Meisterbrief zu führen. Auch den Beruf des Schilder- und Lichtreklameherstellers will die Bundesregierung so mit ihrer Agenda 2010 verändern. Michael Schwarten und viele seiner Kollegen stehen dieser Reform skeptisch entgegen. Schon jetzt gebe es viele ungelernte schwarze Schafe in ihrer Branche. „In unserem Bereich gibt es mit die meisten Schwarzarbeiter überhaupt“, so Schwarten. Doch ein Lichtblick bleibt: „Seriöse Auftraggeber kommen zu uns Meistern.“ Und dass Folienbeschriftungen „göttlich gut“ ankommen, weiß auch ein Bestattungsinstitut aus der Region: Dessen Urnen und Grabkreuze werden mit Folienbuchstaben von Michael Schwarten beschriftet.

(von: Michael Wrobel)


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